Chat, Telefonkonferenz, Videostreaming, Pad — Kommunikation ohne Treffen

Da derzeit viel Kommunikation nicht mehr direkt läuft, müssen wir auf andere Kanäle umsteigen. Wir haben damit in den letzten Tagen einige Erfahrungen mit Telefon- und Videokonferenzen gesammelt und geben euch im folgenden eine Übersicht über verschiedene Möglichkeiten und deren Vor- und Nachteile.

Für alle Varianten gilt:

  • ein Headest verbessert in der Regel die Tonqualität und verhindert Rückkopplung und Echo-Effekte
  • paralleles Protokollieren und Chatten mit einem Pad[**] ist oft hilfreich
  • selbst wenn ein Protokoll an sich gut entworfen und programmiert ist, verlässt man sich trotzdem auf den Server, auf dem der Dienst läuft
  • wenn bei einer Telefonkonferenz (oder bei einem Pad) nur einer der beteiligten Kommunikationspartner*innen nicht vertrauenswürdig ist (weil z.B. ein Trojaner auf dem Rechner läuft), wird die ganze Unterhaltung kompromittiert
  • bis es bei allen funktioniert, vergeht immer mindestens eine halbe Stunde

Video- und Audiokonferenzen mit Jitsi
+ funktioniert gut mit kleinen Gruppen (bis 5 Teilnehmer*innen)
+ freie Software
+ keine Installation nötig (läuft im Browser)
+ sehr leicht zu bedienen
+ freier Server beim Datenkollektiv: (https://meet.it-kollektiv.com/ [**])
+ für 3-5 Leute gut nutzbar
– je mehr Teilnehmer*innen, desto instabiler
– kein ernstzunehmender Passwortschutz — man sieht aber, wer den Raum betritt

Mumble (nur Audio)
+ klappt auch mit sehr großen Gruppen
+ freie Software
+ freier Server bei Systemli (http://talk.systemli.org)
+ Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, theoretisch kann auch der Server-Betreiber nicht mithören
– die automatische Stummschaltung funktioniert bei Nebengeräuschen nicht gut, insofern eher „push to talk“ aktivieren
– bei Nutzung des Webinterface kein Passwortschutz
– der Client (zu haben über https://www.mumble.info/ ist nicht ganz leicht einzurichten

echte Telefonkonferenz (nur Audio)
+ Unschlagbar in Sachen Benutzer*innenfreundlichkeit: Einfach eine Nummer rausgeben, die Leute rufen an und es funktioniert auf Anhieb — das ist bei keiner anderen Lösung auch nur im entferntesten möglich.
+/- Realisierbar über „kostenlose“[*] Anbieter wie z.B. meebl.de
– Bezahl-Anbieter sind relativ teuer
– Telefonleitung ist gar nicht verschlüsselt

Zoom (Video und Audio)
+ funktioniert gut auch mit großen Gruppen
+ leicht einzurichten
– mehrere massive Datenschutz– und Sicherheitsprobleme, wir raten ab!
– Nachtrag vom 1.4.: noch eine Sicherheitslücke bei Zoom

[*] zwei Anmerkungen noch zu „kostenlos“

  • Kommerzielle, aber kostenlose Anbieter (wie Facebook, Zoom, diverse Telefonkonferenz-Anbieter) handeln mit Benutzer*innendaten. Das kann bei Telefonkonferenzen z.B. bedeuten, dass die Nummern der Anschlüsse, die sich einwählen, weiterverkauft werden, weshalb man dann später Anrufe von Marktforschungsinstituten bekommt.
  • Auch die Server vom linken Anbieter*innen kosten Geld. Wer also in den nächsten Monaten ausgiebig die Dienste von Datenkollektiv, Systemli, Autistici, Riseup, Nadir, SO36 und anderen Technikkollektiven nutzt, sollte ernsthaft erwägen, was zu Spenden, damit die Server bezahlt werden können.

[**] Zwei Anmerkungen zu Pads und Jitsi-Räumen

  • Wer ein Pad oder einen Jitsi-Raum eröffnet, bekommt eine URL in der Form http://dienst.server.tld/347Sf434f*345ew€se§$. Die zufälltigen Zeichen hinter der Server-Adresse sollen sicherstellen, dass niemand die Adresse des Raums/des Pads erraten oder durch Ausprobieren herausfinden kann. Es ist also nicht ratsam, die zufälligen Zeichen durch einen kurzen, eindeutigen Bezeichner zu ersetzen.
  • Mailprogramme schneiden Links u.U. ab, wenn am Ende ein Sonderzeichen steht, achtet also darauf, dass ein Buchstabe am Ende steht