Von Kulturgütern und anderen Verbrechen

„Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich – aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär[e] man nie dabei gewesen.“
Kontrastreicher hätte sich Erfurt an diesem Märztag wohl kaum präsentieren können. So schallt es aus einhundert Mündern „Blut, Blut an euren Händen“, formt sich zu einem Echo entlang der umliegenden Altbaufassaden und verliert sich schließlich, kaum wahrnehmbar auf dem sich in Sichtweite befindenden Domplatz. Dort zelebriert die Stadt feierlich die Eröffnung einer neuen Bratwurstsaison. Doch diese radikale Komposition aus Empathie und Rücksichtslosigkeit ist weder zufällig arrangiert noch wird sie die einzige an diesem Tag bleiben.
Denn jährlich grüßt die Tierquälerei aus dem Thüringer Messegelände und labelt diese Zusammenkunft „Reiten, Jagen und Fischen“. Zeitgleich formierte sich aber auch in diesem Jahr ein antispeziesistischer Demonstrationszug auf dem Vorplatz des Erfurter Hauptbahnhofes. Kraftvolle Sprechchöre begleiteten diesen auf seinem Weg zur ersten geplanten Zwischenkundgebung am Verkehrsknotenpunkt „Anger“.
Aus der Lautsprecheranlage, die wohl nicht grundlos auf die nächstgelegene „Nordsee“-Filiale ausgerichtet war, tönten zwei ausführliche Redebeiträge, die das Verhältnis von menschlichen und nicht-menschlichen Individuen in der Fischerei, wie auch in der Praxis des Reitens kritisch reflektierten. So brechen neueste wissenschaftliche Studien endgültig mit einem der hartnäckigsten Mythen der Anglergemeinschaft, indem sie zeigen, dass im Wasser lebende Wirbeltiere durchaus Schmerzen empfinden.
Vor den Schaufenstern der Modegeschäfte „Breuninger“ und „Natur Pur“ kam es zu zwei weiteren Unterbrechungen. Dort gehaltene Beiträge kritisierten die erbarmungslose Unterwerfung tierischer Existenz, repräsentiert durch Leder-,Woll- und Pelzwaren, unter die kapitalistische Verwertungslogik. Fraglich ist jedoch, ob jene Worte auch jenseits der Polizeispaliere vor den Eingangstüren der beiden Modehäusern wahrgenommen werden.
Im Hirschgarten fand die Demonstration ihren Abschluss. Ein letzter Redebeitrag entlarvte die Identifikation der modernen Jagdpraxis mit dem Naturschutzes als Maskerade. Weiterhin setze sich dieser inhaltlich mit dem Duktus der Jägersprache auseinander, welcher die Einzigartigkeit individueller Existenz der von Jagd betroffenen Lebewesen auf den Begriff „Stück“ reduziert. Da Jagd heute in Europa nicht mehr zur Nahrungsversorgung notwendig ist, bleibt festzustellen, dass sie den Ausübenden als bloße Befriedigung von Machtgelüsten dient.
Gegen 14:30 versammelten sich dann ungefähr 90 Person zu einer angemeldeten Kundgebung vor dem Eingang der Messe „Reiten, Jagen und Fischen“. Neben der Verteilung von Infomaterial konfrontierten die Protestierenden lautstark das betäubte Gewissen der passierenden Besucherströme mit den unschönen Realitäten ihrer „Hobbies“.
Im Angesicht der zahlreichen MessebesucherInnen muss wohl abschließend konstatiert werden, dass es sich sowohl bei Demonstration, als auch der nachfolgenden Kundgebung nur um einen verzweifelten Tropfen Mitgefühl auf dem glühenden Rostgrill einer Gesellschaft, zu deren wichtigsten Kulturgütern die Bratwurst gehört, handelt.
Es bleibt also nur zu hoffen, dass die Potentiale eines antispeziesistischen Diskurses innerhalb der linken Bewegung, gerade in der Analyse von Diskriminierungsmechanismen nicht verloren gehen.
Denn wie Leo Tolstoi schon treffend formulierte: „Solange es Schlachthöfe gibt, wird es Schlachtfelder geben.“
Wie Rassismus über die Presseberichterstattung zum Thema Kriminalität hergestellt wird, hat das
Aus der Perspektive Kritischer Psychologie betrachtet Uto Osterkamp Rassismus als Selbstentmächtigung. Der so betitelte Sammelband ist beim Argument-Verlag erschienen und bündelt Texte aus 10 Jahren Forschungsarbeit einer Projektgruppe aus Wissenschaftler_innen, Flüchtlingen, und Praktiker_innen aus der Flüchtlingsarbeit. Entsprechend bietet das Buch eine Reflexion der Alltagspraxis im Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland sowie politische und theoretische Überlegungen z.B. zu institutionellem Rassismus oder zur Funktion der Psychologisierung von „Ausländerfeindlichkeit“. Auch diesem Buch gelingt es größtenteils, komplizierte Zusammenhänge gut lesbar zu formulieren.
Eine Einführung in die Geschichte und Theorie eines Begriffs liefert der Soziologe und Politologe Robert Miles mit seinem Werk Rassismus, ebenfalls erschienen bei Argument. Das Buch gilt als eines der Standardwerke der Rassismusforschung und legt überzeugend die Entstehungsgeschichte der modernen Vorstellung einer Gliederung der Menschen in „Rassen“ als soziale Konstruktion bzw. Ideologie dar. Weiter diskutiert Miles die Vor- und Nachteile verschiedener Rassismuskonzepte und verbindet diese mit anderen Dimensionen sozialer Ungleichheit in seiner Definition von Rassismus als wirkmächtige Ungleichheitskonstruktion, die mit materiellen oder symbolischen Ausschlüssen einhergeht. Das Buch folgt mehr als die beiden vorherigen den Regeln wissenschaftlicher Literatur, ist aber didaktisch brillant geschrieben und daher auch für Nicht-Soziolog_innen mehr als lesenswert.
Wie die Mehrheitsgesellschaft Fremdheit herstellt, erklärt die Sozialwissenschaftlerin Birgit Rommelspacher mit dem Begriff Dominanzkultur. Der so betitelte Sammelband untersucht Rassismus, Sexismus und Nationalismus mit Blick auf die Normalitätskonstruktionen und Identitäten der Mehrheit. Das Buch ist im feministischen Orlanda Frauenverlag erschienen und nimmt z.T. schon 1995 vorweg, was in den letzten Jahren unter dem Stichwort Whiteness bzw. Weißsein diskutiert wird — die Untersuchung der Rassifizierung statt der Rassifizierten.
Eigentlich für die Bildungsarbeit geschrieben bietet der Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit neben zahlreichen Methoden auch Hintergrundtexte und Arbeitspapiere zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen im erweiterten Themenfeld Rassismus: Vorurteile, Eigen- und Fremdkonstruktion, Rassismus und Weltwirtschaft, Antisemitismus, Nation und Nationalismus, Rassismus und Sprache, etc. Die Bausteine richten sich an Teamer_innen und Aktivist_innen und bietet mehr als die anderen hier vorgestellten Bücher die Möglichkeit, auf wenige Seiten komprimiert gesellschaftspolitisch relevantes Wissen nachzulesen. Wer sich die Mühe macht, die Hintergrundtexte und/oder Arbeitspapiere aus dem umfangreichen Inhaltsverzeichnis raus zu suchen, findet z.B. einen fünfseitigen Grundlagentext darüber, wieso es sinnvoll ist, über 
Diskussion: Was ist ein queerer Raum?
„Wir behindern nicht den Verkehr,

Morgen, am 10.3.2012, wird in Saalfeld unter dem Motto 






Vortrag zum Heidelberger Spitzelskandal // 07. März // 19.00Uhr // 
Am 9. Mai soll Thilo Sarrazin aus seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ im Dasdie Brettl in Erfurt lesen. Um dies zu verhindern hat sich das Bündnis „Sarrazin absagen“ gegründet welches den Betreiber des Dasdies, Wolfgang Staub, dazu auffordert die Lesung abzusagen. In zwei Zeitungsartikeln von TLZ und TA kommt Staub nun zu Wort. Er will einen „sachlichen Diskurs“ ermöglichen und hält eine öffentliche Lesung mit dem rassisten Sarrazin für „demokratisch“. Ein Dr. Andreas Lindner fordert die „selbsternannten Zensoren“ (gemeint ist das Bündnis „Sarrazin absagen“) gar zur lektüre des Grundgesetzes auf.

Über ein Jahr wurde sie schmerzlichst vermisst. Jetzt gibt es eine neue Ausgabe des Szene-Blättchens „Nein“. Mit 24 Seiten ist sie leider etwas dünn geraten. Auch befassen sich die insgesamt sechs Artikel zur Hälfte mit Nazis — ein wenig mehr Themen wären nett gewesen. Wenn das kleine Heft inhaltlich nicht gefällt bietet es kleine Origami-Faltanleitungen für verschiedene Modelle an. Hier noch das Inhaltsverzeichnis: